''On Tour trotz Handicap e.V.''
Wir sind ein Verein, der es sich zum Ziel setzt, Menschen mit jeglicher Art von Behinderung, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.Ein wichtiger Punkt ist die selbstbestimmte Mobilität. Wir möchten Sie auf dem Weg begleiten, dieses Ziel zu erreichen oder es behalten zu können.
Dienstag, 29 August 2017 13:14

Dr. Leonardo Pira

Von heute auf morgen Querschnittgelähmt zu sein und nach dem Überleben rund um die Uhr auf Hilfe von Anderen angewiesen zu sein ist hart.
Besonders für Dr. Leonardo Pira, der sein Leben lang immer nur ein Ziel gehabt hat: Menschen zu helfen.

Die Urkunden, die Im Wohnzimmer seiner kleinen Wohnung hängen 3 Urkunden, die das bezeugen: der Arzt Titel- von 1978 und zwei Facharzt-Urkunden.

Wie muss es sich anfühlen, wenn die Hände, die man bis zur Perfektion bewegen konnte, um komplizierte Operationen durchzuführen, plötzlich gar nichts mehr tun können? Und nicht nur dass
- wenn der ganze Körper wir im Sand eingebuddelt zu sein scheint - Unbeweglichkeit von einem Tag auf den anderen, Durchtrennte Nervenbahnen, die eine Entzündung hervorgerufen hat und die den Körper lahmgelegt hat. Die Nerven spielen verrückt und verursachen unerträgliche Schmerzen, dass man den Lebensmut aufgeben möchte, gibt Dr. Pira zu.Vor einem Jahr kam die schreckliche Diagnose: Tetraplegie C 3 - alles fing mit harmlosen Rückenschmerzen an. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Zwei Notoperation, gerade mit dem Leben davon gekommen- und dann die schreckliche Gewissheit: Querschnittlähmung in höchster Form.
Nach etwa 10 Monaten Krankenhausaufenthalt, während dem auch sein rechtes Bein amputiert wurde, hat Dr. Pira trotzdem nicht aufgegeben. Er ist in seine eigene Wohnung gezogen und wird nun von einem Assistententeam rund um die Uhr betreut. Er benötigt nachts eine Beatmungsmaschine und kämpft sich in sein Leben zurück. Schritt für Schritt.Denn Dr. Pira ist ein Kämpfer. Er würde gerne mit dem Mund malen, technische Assistenzsysteme lernen - und einfach nur leben...vielleicht, wenn es ihm gut geht, auch sein umfangreiches Wissen aus fast 30jähriger Berrufserfahrung an jüngere Medizininteressierte weitergeben, erzählt er schüchtern- und dabei blitzen seine Augen hinter der Brille auf.
Doch jeder Schritt nach vorne ist mühsam. Und jedes Stückchen Normalität, dass er sich zurückholen will, bedeutet Auseinandersetzung mit den zuständigen Behörden und nicht zuletzt gegen sich selbst, den eigenen Körper, denn sein Gesundheitszustand kann von einem Tag auf den anderen kippen: Fieberattacken kommen und gehen, gefährliche Blasenentzündungen gehören zur Normalität,die ständige Angst vor einem Dekubitus oder einer Lungenentzündung sind allgegenwärtig. Sein Körper ist geschwächt und das Immunsystem ist angeschlagen.
 
Am Schlimmsten ist aber die fehlende Mobilität. Nur um mal einen Arzt oder ein Krankenhaus zu besuchen (und das passiert sehr häufig) oder einfach mal in eine andere Stadt fahren zu können, müssen Fahrdienste bestellen muss, Genehmigungen bei der Krankenkasse eingeholt werden, die oft nicht erteilt werden. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind vielleicht bei kurzen Fahrten nutzbar. Eine längere Bahnfahrt durch Deutschland ist mit Kostenbefeiung bzw Ermäßigung bisher nur mit den Regionalen Zügen möglich. Das ist für Dr. Pira beim besten Willen nicht machbar. Allein das viele Umsteigen ist extrem anstrengend und Zeitaufwändig- Und selbst, wenn Dr. Pira mal mit der Bahn eine kürzere Strecke fahren will, muss das auch vorbestellen und hoffen, dass der Zug solche Leute wie ihn mitnehmen können. Seine Familie in Italien hat er schon seit über einem Jahr nicht gesehen, bedauert Dr. Pira. Er weiß nicht wie er es schaffen soll mit dem großen E-Rollstuhl dorthin zu kommen.
Wenn er ein eigenes Auto hätte wäre sicher Einiges einfacher.Der Alltag bekäme ein Stück Normalität zurück.Termine bei Ärzten und Rehazentren könnten ohne Stress orgnisiert und vorgeplant werden. Der Kontakt zur Familie anderen Menschen und Interessens-Gruppen, die sein jetziges Leben bereichern würden, und denen er selber helfen möchte, wäre endlich möglich. Ohne utopisch hohe Fahrtkosten.(Beispiel: Eine Fahrt in eine 50 Kilometer entfernte Stadt, die man, ohne einen dringenden und genehmigten (!) Arzttermin zu haben, besuchen will, käme nämlich jetzt für Dr. Pira einem Kurzurlaub gleich. Denn die Fahrtkosten mit dem Fahrdienst belaufen sich auf über 300,00 Euro.) Wäre Dr. Pira mobil, könnte sich vielleicht nach und nach alles Träume verwirklichen, an Universitäten und Schulen fahren, zu Therapien, die ihm helfen sein Leben zu bewältigen. Leider wird das ein Traum bleiben, bedauert er. Denn durch die Krankheit bleibt über das sparsame Einkaufen von Überlebensnotwendigem hinaus nichts mehr übrig. Ein Auto wäre sowieso nicht drin... Und müsste erst für den E-Rollstuhl umgebaut werden....Und außerdem: Was soll denn schon einer, der über 60 ist, noch wollen?
Er glaubt nicht wirklich daran, dass auch er unterstützt werden kann. Doch das sollte er. Dr. Piras Lebeneswille ist ohne Gleichen. Sein Kampfgeist nachahmenswert. Nach jahrzenhntelangem Geben sollte auch er Hilfe annehmen können. Nur Mut, Dottore!!

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